Porno und Sex bei Jugendlichen: Was eine große Studie ergab

Quelle: U.S. National Library of Medicine
Porno und Sex bei Jugendlichen: Was eine große Studie ergab
Foto: sewuparistudio / Pixabay

Zunächst eine Zahl, die einen unruhig macht: Mehr als ein Drittel der Jugendlichen (37 %) schaut mindestens einmal im Jahr Pornos, bei den Jungen ist es jeder Zweite. Dies ist keine Umfrage an einer einzelnen Schule und keine Gruselgeschichte aus dem Internet – es sind Daten einer anonymen Befragung von mehr als fünftausend irischen Schülern im Alter von 13 bis 17 Jahren, die 2022 durchgeführt wurde. Und die Ergebnisse geben zu denken, was mit der Jugend lange vor dem Erwachsenenleben passiert.

Wissenschaftler aus Irland wollten untersuchen, wie der Pornokonsum mit Verhalten zusammenhängt, das als riskant bezeichnet wird: Sex ohne Kondom, Sex unter Alkohol- oder Drogeneinfluss und der Beginn des Geschlechtslebens vor dem 15. Lebensjahr. Das bedeutet nicht, dass Pornos alle dazu „zwingen“, sofort loszuziehen und dies zu tun, aber ein Zusammenhang wurde gefunden – und er ist deutlich.

Kurz gesagt zeigen die Zahlen Folgendes: Diejenigen, die Pornos schauen, haben mehr als dreimal so häufig Sex ohne Kondom – genau genommen 3,4-mal. 3,6-mal häufiger haben sie Sex nach Alkohol oder Drogen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass der erste Sex vor dem 15. Lebensjahr stattfindet, ist 2,8-mal höher. Die Zahlen sind nach Alter und anderen Faktoren korrigiert, das heißt, der Zusammenhang wird nicht einfach dadurch erklärt, dass „ältere Kinder sowohl Pornos schauen als auch Sex haben“.

Das Interessanteste ist der Schutzfaktor. Es zeigte sich, dass elterliche Kontrolle (Aufmerksamkeit dafür, was das Kind schaut, Gespräche über Pläne, Kenntnis der Freunde) in allen drei Fällen wie ein Schutzschild wirkte. Je mehr Eltern „im Bilde“ sind, desto geringer ist der Zusammenhang zwischen Pornos und riskantem Sex. Das bedeutet nicht, dass man jeden Klick überwachen sollte – es geht um lebendige Teilnahme und Interesse am Leben des Jugendlichen, was offenbar sowohl die Anziehung zum Verbotenen als auch die Neigung zum Risiko verringert.

Die Autoren der Arbeit betonen selbst: Es handelt sich nicht um ein Experiment, sondern um eine Momentaufnahme-Befragung, daher kann man nicht sagen, dass Pornos direkt „verderben“ und Schaden verursachen. Möglicherweise schauen Jugendliche, die zu Risiken neigen, auch häufiger Pornos – der Zusammenhang könnte in beide Richtungen wirken. Aber die Studie ist eine der umfangreichsten zu diesem Thema in den letzten Jahren, und diese Daten kann man nicht ignorieren.

Was mit diesen Informationen anfangen? Es gibt einiges zum Nachdenken. Für Eltern ist die Schlussfolgerung nicht „alles verbieten“, sondern „reden, interessieren, nicht wegschauen“. Für Schulen – dass Sexualerziehung nicht nur der Form halber stattfinden sollte, sondern um Jugendlichen Halt und klare Antworten zu geben. Und für die jungen Menschen selbst ist es ein Anlass, sich zu fragen: Beeinflusst das, was ich schaue, wie ich über Sex denke? Und mit wem kann ich darüber sprechen, ohne Verurteilung zu fürchten?

Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Originalbeitrag: Pornography use and its association with risk taking sexual behaviours among Irish adolescents. — U.S. National Library of Medicine