Brustkrebs überstanden, aber der Sex ist kaputt? Was wirklich hilft

Quelle: U.S. National Library of Medicine
Brustkrebs überstanden, aber der Sex ist kaputt? Was wirklich hilft
Foto: Tima Miroshnichenko / Pexels

Sie haben die Hölle der Brustkrebsbehandlung durchgemacht. Operationen, Chemotherapie, Bestrahlung – und jetzt haben Sie gewonnen. Aber plötzlich merken Sie: Sex, der früher Teil des Lebens war, ist fremd und unnötig geworden. Oder qualvoll schmerzhaft. Oder Sie vermeiden ihn, weil Sie sich schämen, Angst haben und nicht verstehen, was mit Ihrem Körper passiert. Kommt Ihnen das bekannt vor? Wenn ja, habe ich zwei Neuigkeiten für Sie. Die schlechte: Das passiert sehr vielen. Die gute: Man kann daran arbeiten, und helfen ... ganz normale Krankenschwestern.

Wissenschaftler haben 16 strenge Studien mit Kontrollgruppe gesammelt und analysiert, an denen 1929 Frauen nach einer Brustkrebsbehandlung teilnahmen. Alle klagten über Probleme im Sex und in der Beziehung mit dem Partner. Die Hälfte erhielt die Standardversorgung, die andere Hälfte zusätzlich spezielle „sexuelle“ Beratungsgespräche mit einer Krankenschwester. Die Ergebnisse sind beeindruckend.

Worüber spricht man mit der Krankenschwester

Das sind keine „Herzensgespräche“ über das Wetter. Das Programm umfasst mehrere Treffen, bei denen die Frau fragen kann, was sie wirklich quält: Warum ist es trocken geworden, warum ist das Verlangen verschwunden, wie sage ich meinem Partner von meinen Ängsten, welche Möglichkeiten für ein Intimleben gibt es, wenn es schmerzt. Die Krankenschwester hört nicht nur zu – sie gibt konkrete Ratschläge und Unterstützung. Und das funktioniert.

Zahlen, die Hoffnung machen

Das Hauptergebnis: Sexuelle Dysfunktion (also Probleme mit Sex) nahm deutlich stärker ab als bei der üblichen Nachsorge. Der Effekt liegt bei etwa 0,92 auf einer speziellen Skala, was als groß gilt. Das bedeutet, dass sich die Frauen, die beraten wurden, im Bett deutlich besser fühlten. Auch die Qualität des Sexuallebens verbesserte sich: Der Effekt ist kleiner, aber dennoch signifikant – 0,37. Die Beziehung zum Partner hingegen veränderte sich überraschenderweise nicht so stark: Auf der Skala für Beziehungszufriedenheit gab es kaum einen Unterschied zur Kontrollgruppe. Dafür stieg die Lebensqualität insgesamt.

Warum der Partner eine heikle Sache ist

Vielleicht wundern Sie sich, warum sich die Beziehung nicht verbessert hat. Aber bedenken Sie: Die Frauen erhielten die Beratung allein, ohne Beteiligung des Partners. Und Sex ist immer ein Dialog zwischen zwei Menschen. Wenn Ihr Paar also in gegenseitigen Vorwürfen und Missverständnissen feststeckt, reicht ein Gespräch mit der Krankenschwester nicht aus. Aber das ist kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Eher ein Signal: Vielleicht sollten Sie zu zweit zum Termin kommen.

Was das für Sie bedeutet

Wenn Sie oder eine nahestehende Frau eine Brustkrebsbehandlung hinter sich haben und mit sexuellen Schwierigkeiten konfrontiert sind – schweigen Sie nicht. Fragen Sie Ihren Onkologen oder behandelnden Arzt, ob es in der Klinik Beratungen zur sexuellen Gesundheit gibt. Wenn nicht, können Sie einen Psychologen oder Sexualtherapeuten suchen, der mit Krebspatienten arbeitet. Das ist kein Luxus, sondern Teil der Genesung. Ihr Körper hat sich verändert, aber er ist immer noch Ihrer. Und er ist zu Lust fähig. Nur braucht er manchmal Hilfe, um sich daran zu erinnern.

Allerdings gibt es eine Einschränkung: Alle Studien wurden in reichen Ländern durchgeführt, daher sind die Ergebnisse möglicherweise nicht für alle gleich. Aber das ist doch kein Grund, es nicht zu versuchen, oder?

Der Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Originalbeitrag: Meta-analysis of the effect of sexual health nursing interventions on improving post-treatment sexual dysfunction and partner relationship satisfaction in breast cancer patients. — U.S. National Library of Medicine